35 Jahre Sozialistische Selbsthilfe in Mülheim

„Der gesellschaftliche und soziale Wert eines Menschen wird bei uns im Kapitalismus allein nach seiner Arbeitskraft bewertet. Diejenigen, die für die Produktion nicht gebraucht werden, weil sie zu alt, zu schwach, zu krank oder zu behindert sind, werden als Betreute im Sozialwesen vermarktet. Sie werden als gesellschaftlich wertlos angesehen und in Heime, Anstalten und Gefängnisse abgeschoben. […]“

So beginnt die Präambel der Satzung der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim, eines Vereins für selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Arbeiten und Leben in Köln.

In der SSM leben heute rund dreißig Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer Herkunft und Prägung. Menschen, die aus der Arbeits- oder Obdachlosigkeit kommen, die psychisch oder physisch krank sind, die in der real existierenden Arbeits- und Produktionsweise Schwierigkeiten haben, die anders arbeiten und leben wollen. Begonnen hat alles 1979 mit der Besetzung eines brachliegenden Fabrikgeländes in Köln-Mülheim. Das ist nun 35 erfolgreiche Jahre her und allemal Anlass für ein zünftiges Geburtstagfest: Rund einhundert Gäste folgten der Einladung von Rainer, Heinz und all den anderen engagierten SSMlern und feierten am 7. November in der aufwändig instand gesetzten „Halle am Rhein“.

Diese wird seit sieben Jahren von der SSM genutzt und stellt eine konsequente Ergänzung zum erwähnten Areal in der Düsseldorfer Straße dar: Platz für sinnvolle Arbeit und Beschäftigung sowie Wohnraum für sozial Benachteiligte. Zum Jubiläum waren etliche Ehemalige und Sympathisanten gekommen, Freunde und Förderer, Veteranen und Wohlmeinende. Sie ergötzten sich wahlweise am opulenten Buffet oder an den dargebotenen Redebeiträgen, Grußbotschaften und Danksagungen auf der Bühne. Ein klassischer Zauberkünstler wusste mit seinen Tricks und Kniffen nicht nur die zahlreichen Kinder zu verblüffen, auch die Versteigerung von ausgewählten Devotionalien aus dem Entrümpelungsfundus hatte überaus unterhaltsamen Charakter. Beeindruckend war auch das musikalische Rahmenprogramm: Vom unverwüstlichen Klaus (mit Partner, Fidel und Original-Songbook aus den Siebzigern) über die 14-köpfige Blaskapelle „Dicke Luft“ zur zauberhaften Ana Suruniuc mit ihrer Gitarre.

Ein paar kurze Ausschnitte des Kulturprogramms sind im Internet, Video unten, hinterlegt. All die herzlichen Gespräche und Begegnungen des Abends, die Wiedersehensfreuden, der Austausch von Anerkennung und Respekt sollen überdies nicht unerwähnt bleiben. Unter dem Strich eine großartige Festlichkeit, die dem Anlass gerecht wurde: Der Würdigung eines wichtigen, vielleicht wegweisenden Leuchtturms Richtung alternativen Wirtschaftens, Arbeitens und Lebens. Der konkreten Möglichkeit von Solidarökonomie, Nachhaltigkeit und Integration. Herzlichen Glückwunsch SSM!

 

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