Kampagne Alle für Kalle wird Zwangsräumung am 20. Februar blockieren!

Köln – Am 20. Februar soll Kalle Gerigk seine Wohnung im Dachgeschoss der Fontanestraße 5 im Agnesviertel durch eine Zwangsräumung verlieren. Dem vorausgegangen war eine fragwürdige Eigenbedarfskündigung durch den neuen Eigentümer, einem Immobilien-Makler der Kölner Firma ObjektDesign.

  • Kalle Gerigk aus dem Agnesviertel steht vor der Zwangsräumung
  • Die Kölner Initiative Recht auf Stadt und NachbarInnen kündigen Blockade an
  • Widerstand gegen Verdrängung und Mieterhöhungen formiert sich

NachbarInnen, UnterstützerInnen und stadtpolitisch Engagierte machen seit einiger Zeit mobil, um sich gemeinsam gegen Kalles Vertreibung zur Wehr zu setzen. „Wir werden uns am Morgen des 20. Februar dem einbestellten Gerichtsvollzieher mit einer Blockade in den Weg stellen – und so die geplante Zwangsräumung öffentlich und wirksam verhindern.“, berichtet Aktivistin Valerie Kirschbaum von der Kampagne Alle für Kalle.

Kalle ist nicht der Einzige, der unter diesen Umständen seine Wohnung verlieren soll oder dem nach einem Eigentümerwechsel die Kündigung ins Haus steht. „Es ist mittlerweile gängige Praxis, unerwünschte Mieter und Mieterinnen im Namen einer sogenannten Aufwertung aus den innerstadtnahen Stadtteilen zu vertreiben.“, sagt Kirschbaum.

Köln ist mittlerweile vor allem für die ärmeren Bevölkerungsteile nahezu unerschwinglich. Das gilt insbesondere für jene, die im Rekurs auf Armut rassistischen Ressentiments und Ausgrenzungspraktiken ausgesetzt sind, wie sich derzeit im Umgang mit ost-europäischen MigrantInnen zeigt. Die Aktiven der Kampagne fragen sich: Köln – eine Stadt ausschließlich für Reiche?

Die Zwangsräumung macht sichtbar, wie Kapitalinteressen an der Verwertung von Wohnraum gewaltsam durchgesetzt werden. Das gilt nicht nur für Köln und Deutschland. In den Ländern, die besonders extrem von der Eurokrise betroffen sind, nehmen die Wohnungsprobleme noch wesentlich extremere Formen an. In Spanien, wo Hundertausende nach geplatzten Hypotheken ihre Wohnungen verloren, ist die breite Bewegung Plataforma de Afectados por la Hipoteca entstanden. In Griechenland schließen sich Menschen in Stadtteilinitiativen zusammen, gründen Kollektive und besetzen leerstehende Häuser, weil Einzelne sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten können.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen ihre Wohnungen verlieren, weil Eigentum Vorfahrt genießt.“, sagt Kirschbaum von der Kampagne Alle für Kalle. „Wir schauen dem Ausverkauf der Stadt nicht weiter tatenlos zu und setzen uns gegen die städtische Umstrukturierung gemeinsam zur Wehr.“ In vielen Kölner Stadtteilen leisten BewohnerInnen und AktivistInnen Widerstand gegen teure Mieten und Verdrängung: In Köln-Stammheim wurde kürzlich eine Siedlungs-Baracke besetzt, deren Abriss mit Unterstützung der Nachbarschaft verhindert werden konnte. In der Kölner Südstadt organisieren sich BewohnerInnen in der Pfälzer Straße, um den Abriss zweier Mietshäuser zu verhindern, die einem Neubau im Hochpreissegment weichen sollen. In Köln-Kalk wollen BewohnerInnen der Robertstraße 12 ihr Haus selbst kaufen, um es so dem Immobilienmarkt zu entziehen.

Am kommenden Donnerstag wird deutlich werden: Alle für Kalle – Zwangsräumung gemeinsam blockieren. Die Stadt gehört allen!

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