5 Tage soziale Kampfbaustelle in Köln


Donnerstag

Abbau und Rückblick

Der sechste Tag, (der Feiertag) stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Abbaus und des Abschlussplenums. Dabei stellte sich heraus, dass alle sehr zufrieden waren, mit der Atmosphäre, dem Essen, der gemeinsamen Aktion mit den ArbeitsmigrantInnen natürlich und überhaupt. Die meisten haben gesagt, dass das erst der Anfang war. Wir werden sehen. Gut ist, dass wir den TagelöhnerInnen Ort und Zeitpunkt nennen konnten, wo sie regelmäßig einige von uns treffen können. Wir überlegen wie wir die TagelöhnerInnen wirksam unterstützen können.

Inzwischen hat bereits ein Auswertungs-Plenum stattgefunden, d.h. es geht in dem Zusammenhang + ein paar neue Leute, die auf der Sozialen Kampfbaustelle waren, weiter. Es liegen bereits ein paar Vorschläge auf dem Tisch:

Hauptfokus der weiteren gemeinsamen politischen Arbeit wird wahrscheinlich die bereits bekannte Slogan „Wohnraum für alle“ und die Thematisierung der Armut sein. Das ermöglicht eine soziale Ausweitung und schließt den Kampf gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung von EinwanderInnen ein. Dazu wird ein Manifest/Aufruf erarbeitet, das/der in Grundzügen bereits steht.

Es gibt außerdem die Idee einer großen Aneignungsaktion, an der Obdachlose, EinwanderInnen Studies und alle möglichen Leute teilnehmen sollen. Eine richtig große Aktion bei einer Gesellschaft, bei der wir eine Chance haben, und möglichst viele Leute mitmachen können.

Auch wenn Ausgrenzung und Entrechtung je nach rechtlichem und sozialem Status, nach Herkunft und Einkommen und persönlicher wie familiärer Lebenssituation und Geschichte sehr unterschiedlich ausfallen – und damit unsere Erfahrungen sowie unsere Bedingungen der Reproduktion und Möglichkeiten der politischen Auseinandersetzung maßgeblich mitbestimmen – ist es nicht nur möglich, sondern mehr und mehr notwendig, sich im Kampf um Würde, Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Teilhabe und um unser aller Recht darauf, zu leben, wie und wo wir wollen, aufeinander zu beziehen und gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Die Kölner „Soziale Kampfbaustelle“ war der Versuch, einige zumeist getrennt voneinander verhandelte Felder der sozialen und politischen Auseinandersetzung zusammenzuführen und in den städtischen Raum zu tragen. Aus diesem Experiment ergeben sich Perspektiven, die an Brisanz zunehmenden Themen Erwerbslosigkeit und Armut, Gentrifizierung und Verdrängung sowie Arbeitsmigration und Rassismus gemeinsam zu verhandeln und an einem Ort zu bündeln.

Es hat sich gezeigt, dass es sich trotz, aber auch wegen der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Erfahrungen lohnt, beim gemeinsamen Zubereiten und Verspeisen von Mahlzeiten wie im offenen „Plenum“ Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam aktiv zu werden – um von und miteinander zu lernen, gemeinsame Perspektiven zu entwickeln und jenseits aller Unterschiedlichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu fragen: Wem gehört die Stadt? Eine gemeinsame Bewegung kommt dabei nicht drum herum, sich der Auseinandersetzung mit unseren unterschiedlichen Lebensbedingungen und Erfahrungen, den verschiedenen Wünschen und Begehren und mit unseren teils tradierten Standpunkten, Perspektiven und Formen der Auseinandersetzung zu stellen.

Wo Menschen auf Grundlage rassistischer Ausgrenzung und mangelndem Zugang zu Geld und anderen Ressourcen aus der Stadt gedrängt werden, muss dabei auch laut und vernehmbar die Frage nach der Verteilung gesellschaftlichen Reichtums und nach Eigentum gestellt werden. Möglichkeiten zu gemeinsamen, einander ergänzenden oder auch widersprüchlichen Aktionsformen gibt es viele: Die reichen vom gemeinsamen Debattieren, von der öffentlichen Benennung politischer wie persönlicher Verantwortung, dem Markieren von (auch nur geplanten) Luxusobjekten und Privatisierungen, dem Sabotieren von durch Investoren-VertreterInnen und EntscheidungsträgerInnen öffentlich zur Schau gestellter Wohltätigkeit, der gegenseitigen Unterstützung in der Auseinandersetzung mit Behörden und repressiven Nachbarschaften bis hin zu öffentlichen Versammlungen, zur solidarischen Verhinderung von Zwangsumzügen und Räumungen, der (vielleicht auch temporären) Aneignung von Wohn- und Freiräumen und solchen, die es im Verlauf der Auseinandersetzungen noch zu entwickeln gilt.

Auch wenn die Beteiligung im ersten Anlauf noch zu wünschen übrig ließ, ist mit der sozialen Kampfbaustelle in Köln ein erster gemeinsamer Schritt getan, um deutlich zu machen: Die Stadt gehört uns allen! Die ‚Baustelle‘ als solches wird in unseren Köpfen und unserem Zukünftigen Engagement wohl bleiben.

 

 

 

 

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