Recht-auf-Stadt-Demo: Rudolfplatz grüßte die Protestbewegungen in der Türkei und Brasilien

Kundgebung der Initiative „Recht auf Stadt“ gegen hohe Mieten und Wohnungsnot am Rudolfplatz teil. Neben der Wohnungssituation in Köln spielten in mehreren Redebeiträgen auch die Bewegungen in der Türkei und Brasilien eine Rolle, nicht nur, weil zeitgleich über 50.000 Menschen auf dem Heumarkt gegen die türkische Regierung und 500 vor dem Dom in Solidarität mit der Bewegung in Brasilien protestierten.

Die Massenproteste in der Türkei entwickelten sich aus dem Kampf zur Verteidigung eines innerstädtischen Parks, in Brasilien begann es mit dem Widerstand gegen eine Fahrpreiserhöhung in der Metropole Sao Paulo. „Recht auf Stadt“ richtet sich gegen die Unterwerfung der städtischen Entwicklung und des städtischen Lebens unter die Profitinteressen der Besitzenden und will neben bezahlbarem Wohnen auch kulturelle Freiräume verteidigen und erkämpfen.

Siggi Heidt, Sozialarbeiterin in Chorweiler, und Jürgen Auth, Sozialraumkoordinator in Porz-Finkenberg, beschrieben anschaulich die Situation in den dortigen Hochhäusern. Diese gehören Immobilienkonzernen, welche die Wohnungen geradezu verkommen lassen (haben). 1.200 Wohnungen in Chorweiler befinden sich in Zwangsverwaltung, weil der Investor insolvent ist. Dort ist nahezu alles marode, seit Anfang Juni können die Menschen nicht mehr duschen, weil die Wasserleitungen mit Legionellen verseucht sind.

Jürgen Auth beschrieb die jüngste Zuspitzung in Finkenberg. Die MieterInnen dort haben sich anwaltlich beraten lassen und Mietminderung angekündigt. Der Besitzer der Hochhäuser drohte daraufhin kürzlich, die angeblichen „Mietrückstände“ eintreiben zu wollen.

Jan Henkel von „kein mensch ist illegal“ forderte eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen und kritisierte, dass die Stadt trotz aller Beschlüsse, die Unterbringung in Wohnheimen zu beenden, neue Wohnheime am Rand der Stadt in Betrieb nehme.

Ein Vertreter des Autonomen Zentrums in Köln-Kalk stellte die Kampagne zur Verteidigung des AZ vor, dem ab dem 1. Juli die Räumung droht, obwohl im AZ ein breites Sprektrum von Kultur ohne jede Kosten für die Stadt Köln geboten wird. Zum Abschluss sprach ein Vertreter der Kölner Erwerbslosen in Aktion (KEAs).

Einige der Reden werden demnächst auf der Website des Bündnisses veröffentlicht.

Ursprünglich war eine Demonstration durch das von steigenden Mieten und Gentrifizierung geprägte Viertel Ehrenfeld geplant. Eben wegen der europaweiten Kundgebung in Solidarität mit den Protesten in der Türkei wurde der Demonstrationszug kurzfristig abgesagt. Die Initiative „Recht auf Stadt“ rief die TeilnahmerInnen stattdessen auf, sich an den Türkei-Protesten und der brasilianischen Demo zu beteiligen.

Wohnen ist ein großes Thema. Die Zeitungen schreiben täglich, die etablierten Parteien schreiben schöne Worte in ihre Wahlprogramm, setzen sich in der Praxis jedoch für die Interessen der Vermieter ein. Das Problem wird größer, ohne die aktive Einmischung der Betroffenen wird sich nichts ändern.

Die Initiative sieht die Kundgebung als Auftakt, das Thema Wohnen/Mieten auf die Straße und in die Veedel zu bringen und möchte dazu beitragen, Frust und Unzufriedenheit und Aktion und Protest unzuwandeln. Das nächste Treffen der Initiative „Recht auf Stadt“ findet am 15. Juli im Naturfreundehaus Köln-Kalk statt (Kapellenstraße 9a, Nähe U-Bahn Kalk Kapelle).

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