Servus TV goes L.E.O.

Die Wege des Internets sind unergründlich. So staunte der Sprecher der Linken Erwerbslosen Organisation, Manfred Müller, nicht schlecht, als ihn am Mittwoch, den 22.05.2013 ein Anruf der Redaktion des neu eingerichteten österreichischen Privatsenders „Servus TV“ mit einem besonderen Anliegen erreichte.

In den österreichischen Jobcentern ( dort AMS genannt), tauche das Problem der zunehmenden Aggressivität „auch“ der dortigen Kunden gegenüber den Mitarbeitern auf. Bei der Internetrecherche sei man auf die Homepage der Linken Erwerbslosen Organisation (L.E.O.) gestoßen auf der ein Bericht zu diesem Thema erschienen sei.

Wenige Stunden später stand Berthold Bronisz, Verfasser des recherchierten Artikels vor der Arbeitsagentur Köln dem Sender Rede und Antwort. Natürlich konnte er die vorgefasste Richtung der Berichterstattung nicht ändern. So kam denn die Leiterin des AMS Innsbruck mehrfach und ausführlich zu Wort, um die Bedrückung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Kunden, die Sicherheitsmaßnahmen, die Ausbildung im Umgang mit aggressiver Kundschaft und schließlich die psychologische Begleitung nach einem „Vorfall“ zu schildern. Unser Mitstreiter Berthold Bronisz wurde immerhin mit einem Satz zitiert, in dem er auf die veränderten Verhandlungsbedingungen in den Jobcentern hinwies. (Der Bericht beginnt ab der vierten Minute.)

Dieser Bericht gibt uns jedoch Gelegenheit, den Standpunkt der „anderen Seite“, nämlich der Erwerbslosen selbst, an dieser Stelle deutlich zu machen:

Seit nunmehr acht Jahren erleben Erwerbslose eine zunehmende Verschärfung der Ausübung struktureller staatlicher Gewalt gegen ihre Gruppe:

  • schleichende Absenkung der Regelleistung unter das Existenzminimum,
  • Sippenhaft, bei der Kinder für das Fehlverhalten ihrer Eltern oder umgekehrt haftbar gemacht werden,
  • Kürzungen bei den Kosten der Unterkunft mit der Folge des Wohnungsverlusts bis hin zur Zwangsräumung,
  • Zwang zum Besuch sinnloser „Maßnahmen“ oder Zwangsarbeit,
  • und schließlich sage und schreibe mehr als einer Million „Sanktionen“ mit der Folge, dass das Existenzminimum noch weiter unterschritten wird.

um nur die wichtigsten Punkte zu nennen.

Die Betroffenen werden so zur Verzweiflung getrieben, die sie individuell zu verarbeiten versuchen. Nachgewiesen sind der drastische Anstieg des Verbrauchs von Antidepressiva und die zunehmende Zahl der Erwerbsminderungsrenten wegen psychischer Erkrankungen bei Langzeiterwerbslosen.

Wobei der ganze „ Mainstream“ jedoch konsequent hinwegsieht ist der inzwischen tausendfache Selbstmord von Erwerbslosen.

Eine Spirale der Gewalt wurde in Gang gesetzt, die sich immer schneller zu drehen beginnt. Die entstehende Bunkermentalität die sich durch die Installation von Videokameras, dem Aufmarsch „schwarzer Sheriffs“, den Alarmknöpfen und den Hausverboten ausdrückt lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen.

Der Ausweg? Dazu bedürfte es einer grundsätzlichen Umorientierung in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die, was die Erwerbslosen angeht, vom Kopf wieder auf die Füße gestellt werden muss. Dazu wären eine Erwerbslosenversicherung, die diesen Namen verdient, als auch die Rückkehr zum Gedanken der Dienstleistung bei der Arbeitsvermittlung nötig.

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