Wie viel Lohn wir tatsächlich brauchen!- Ein Zwischenruf zur Mindestlohndebatte.

In einer Studie vom August 2014 führten Gutachter des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) den Begriff der „kaufkraftbereinigten Einkommensarmut“ ein. Durch sie wird die einfache Tatsache beschrieben, dass das Leben in der Großstadt teurer ist, als in der Provinz.

Auf der Grundlage von Zahlenmaterial aus dem Jahre 2012 ermittelten die Gutachter, dass mehr als jede vierte Kölnerin und jeder vierte Kölner – oder genauer 26,4 % – nach dieser Definition als „einkommensarm“ zu gelten hat. Nachzulesen bei IW-KÖLN.

Nun sind knapp vier weitere Jahre vergangen und es ist zu befürchten, dass sich die Lage weiter verschlechtert hat, denn dass IW identifizierte als wesentlichen Grund für die Einkommensarmut die hohen Mieten in Köln. Die sind in diesem Zeitraum bekanntlich weiter drastisch gestiegen.

Zum 01.01.2016 wurde das Wohngeldgesetz WoGG geändert. Köln wurde konsequenterweise von der Mietstufe V in die Mietstufe VI, d.h. der „teuersten“ Stufe eingestuft.

Nun gibt es einen Mindestlohn von 8,50 €, dessen Einführung gerade abgefeiert wird und über dessen Erhöhung demnächst gestritten wird. Kölnerinnen und Kölner können da nicht mitfeiern aber sollten energisch mit streiten!

Im Folgenden zeigen wir auf, wie hoch ein Mindestlohn in Köln sein müsste, damit Alleinverdienende und Alleinerziehende nicht mehr auf aufstockende Leistungen durch das Jobcenter angewiesen wären: (Dabei wurden die neuen Mietobergrenzen, die selbstverständlich auch noch strittig sind, berücksichtigt)

Beispiel 1: Alleinerziehende Person mit einem Kind:

 

Regelbedarf Alleinerziehende*

Mehrbedarf Alleinerziehung ( 12 % von 404 € )

Regelbedarf Kind

 

404 €

 

48,48 €

270 €

 

 

 

 

722,48 €

Kosten der Unterkunft (Grundmiete u. Kaltnebenkosten)

Heizkosten (1,30 € x 65 qm)

 

633 €

 

84,50 €  

 

 

 

 

717,50 €

Bedarf gesamt

 

1.439,98 €

Neben Erwerbseinkommen der alleinerziehenden Person steht Kindergeld (KG) als Einkommen zur Verfügung 

 

 

 

-190,00 €

Restbedarf nach Abzug Kindergeld  

 

1.249,98 €

Zuzüglich maximaler Einkommensfreibetrag nach SGB II (bei normalen Absetzbeträgen

 

 

 

330,00 €

Notwendiges Erwerbseinkommen, um SGB II-Bedarf zu übersteigen 

 

 

1580 € 

Laut Brutto/Netto-Rechner müsste eine alleinerziehende Person, die keine Kirchensteuer bezahlt, 2250 € Brutto im Monat verdienen, um knapp aus der Aufstockung herauszufallen. Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 167 Stunden im Monat entspräche dies einen Stundenlohn von 13,47 €.

Musterberechnung 2: BG aus Vater/Mutter 2 Kinder (7 und 11 Jahre), Mutter erwerbstätig, Vater kein Einkommen

                                                                                                             Summen

Regelbedarf Vater

Regelbedarf Mutter

Regelbedarf Kind

Regelbedarf Kind

 

364 €

364 €

270 €

270 €

 

 

 

 

 

1268 €

Kosten der Unterkunft (Grundmiete u. Kaltnebenkosten)

Heizkosten (1,30 € x 95 qm)

 

879 €

 

123,50 €   

 

 

 

 

1002,50 €

Bedarf gesamt

 

2270,5 €

Neben Erwerbseinkommen steht Kindergeld (KG) als Einkommen zur Verfügung 

 

 

2×190 €

 

 

-380 €

Restbedarf nach Abzug Kindergeld  

 

1890,5€

Zuzüglich maximaler Einkommensfreibetrag nach SGB II (bei normalen Absetzbeträgen

 

 

 

330,00 €

Notwendiges Erwerbseinkommen, um SGB II-Bedarf zu übersteigen 

 

 

2221 € 

Laut Brutto/Netto Rechner müsste die alleinverdienende Person, die keine Kirchensteuer bezahlt 3050 € Brutto im Monat verdienen, um knapp aus der Aufstockung herauszufallen. Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 167 Stunden im Monat entspräche dies einen Stundenlohn von 18,26 €.

Diese Faktenlage sollten wir bei unseren Interventionen in den kommenden Diskussionen berücksichtigen.

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